Nebbiolo, Barbera, Dolcetto – die Rebsorten des Piemont
Das Piemont liegt am Fuß der Alpen und bringt die wohl langlebigsten Rotweine Italiens hervor. Die Hauptrolle spielt der Nebbiolo: hell in der Farbe, täuschend zart im ersten Eindruck, dann aber mit einem Tanningerüst, das Jahrzehnte trägt. Typisch sind Aromen von Rose, Kirsche, Teer und getrockneten Kräutern. Als Barolo und Barbaresco erreicht er seine bekannteste Form. Daneben steht die Barbera für saftige Frucht bei niedrigem Tannin – der Alltagswein der Region – und der Dolcetto für dunkle Frucht mit leicht herbem Abgang. Bei den Weißweinen sind Cortese (als Gavi) und Arneis zu nennen, dazu der süße Moscato d'Asti.
Klima und Böden: Nebel, Kalkmergel, Kontinentalklima
Der Name Nebbiolo geht auf den Nebel zurück, der im Herbst über den Langhe-Hügeln liegt. Das Klima ist kontinental: kalte Winter, warme Sommer, deutliche Tag-Nacht-Unterschiede. Die Böden sind kalkhaltige Mergel, die sich innerhalb weniger Kilometer stark unterscheiden – der Grund, warum Barolo aus La Morra anders schmeckt als Barolo aus Serralunga, obwohl dieselbe Rebsorte im Glas ist. Diese Lagenunterschiede werden im Piemont so ernst genommen wie kaum sonst in Italien.
Wofür das Piemont steht
Für Geduld. Barolo darf erst nach 38 Monaten Reifezeit verkauft werden, davon mindestens 18 im Holz; beim Riserva sind es 62 Monate. Wer eine Flasche zu früh öffnet, erlebt vor allem Tannin. Mit ein paar Jahren mehr entwickelt sich daraus eine Komplexität, die wenige Weine der Welt erreichen. Barbera und Dolcetto sind die unkomplizierte Gegenseite – dieselbe Region, sofort trinkbar.
Was passt dazu auf den Teller?
Die piemontesische Küche ist auf diese Weine hin gewachsen: Brasato al Barolo, Tajarin mit Butter und weißem Trüffel, Vitello tonnato, Bagna Cauda, gereifter Castelmagno. Barolo und Barbaresco bei 18 °C servieren und großzügig Zeit im Dekanter geben – zwei Stunden sind bei jungen Jahrgängen keine Übertreibung. Barbera und Dolcetto vertragen 15–16 °C und brauchen keine Vorbereitung.
Was DOC und DOCG bei einem Barolo konkret bedeuten, erklären wir hier.