Glera, Garganega, Corvina – die Rebsorten Venetiens
Venetien ist die vielseitigste Weinregion Italiens und produziert mehr Wein als jede andere. Im Nordosten wächst auf den Hügeln von Valdobbiadene und Conegliano die Glera, aus der Prosecco entsteht. Rund um Verona liefert die Garganega den Soave – ein Weißwein, der zu Unrecht lange unterschätzt wurde und in guten Lagen erstaunliche Mineralität zeigt. Die Rotweine des Valpolicella beruhen auf Corvina, ergänzt um Rondinella und Molinara: Sauerkirsche, Mandel, ein Hauch Bitterschokolade.
Appassimento: die Technik, die Amarone möglich macht
Was Venetien einzigartig macht, ist eine jahrhundertealte Methode: Nach der Lese werden die Trauben mehrere Monate auf Matten oder in Kisten getrocknet. Sie verlieren dabei bis zu 40 Prozent ihres Gewichts, Zucker und Aromen konzentrieren sich. Aus dieser Grundlage entsteht der Amarone della Valpolicella – dicht, warm, mit deutlicher Alkoholkraft und Noten von Dörrfrucht und Kakao. Wird der fertige Valpolicella über den Trestern des Amarone nachvergoren, entsteht der Ripasso, sozusagen der kleine Bruder.
Klima und Böden: Vulkan, Kalk und der Gardasee
Die Böden im Soave-Gebiet sind teilweise vulkanischen Ursprungs und geben den Weißweinen eine rauchig-salzige Note. Im Valpolicella dominiert Kalk. Der Gardasee im Westen wirkt als Temperaturpuffer und ermöglicht schlanke, frische Stile, während die Hügel von Valdobbiadene – seit 2019 UNESCO-Welterbe – so steil sind, dass dort bis heute von Hand gelesen wird.
Was passt dazu auf den Teller?
Prosecco bei 6–8 °C als Aperitif oder zu Cicchetti. Soave bei 10 °C zu Baccalà mantecato, Risotto oder gegrilltem Fisch. Amarone verträgt 18 °C und braucht kräftige Begleitung – Risotto all'Amarone, geschmortes Rind, gereifter Monte Veronese. Oder, ganz venezianisch, gar kein Essen: Amarone ist einer der wenigen Rotweine, die als vino da meditazione für sich allein bestehen.
Prosecco, Spumante, Franciacorta – wo liegt der Unterschied? Antworten in unserem Magazin.